Liebe
Genossinnen und Genossen!
54 Jahre hat es
gedauert, bis eine rotgrüne Bundesregierung die Beteiligung deutscher
Truppenverbände an einem Krieg beschlossen hat. Zum ersten Mal ist
eine Bundesregierung damit voll in die militärische Logik der NATO
eingebunden. Das ist eine unausweichliche Folge einer Einschränkung
ihrer autonomen Entscheidungsmöglichkeiten.
Ich frage aber
diesen Parteitag hier: Was heißt das für uns? Ist es ein unverantwortlicher
Sonderweg, wenn wir hier heute nach Alternativen zu einem bloßen
"Weiter so" mit den Bomben suchen? Ich sage an dieser Stelle ganz klar:
Es muß möglich sein, Handlungsspielräume zu nutzen, und
es muß möglich sein, die militärische Logik durch eine
politische Logik zu ersetzen.
(Beifall)
Ich bin wirklich
sehr dankbar dafür, daß Pazifisten in dieser Partei Platz haben.
Pazifismus heißt: Verzicht auf Gewalt bei Einsatz des eigenen Lebens.
Von Leuten, die so etwas machen, sitzen hier sehr wenige. Es gibt hier
wenige Gandhis, und es gibt hier auch wenige Träumer. Aber es gibt
hier doch eine ganze Menge Sozialdemokraten, die wollen, daß wir
eine befristete Feuerpause machen,
(Teilweise Beifall)
um überhaupt
eine ernsthafte Chance auf Waffenstillstandsverhandlungen zu haben. Diese
Waffenstillstandsverhandlungen wollen wir auch nicht ohne Kriterien machen.
Wer den Initiativantrag 3 liest, wird feststellen, daß wir uns in
vollem Umfang den Forderungen von Kofi Annan und von Gerhard Schröder
anschließen, was die Frage des Rückzugs der Truppen Milosevics,
was die Frage der Rückkehr der Kosovo-Albaner in den Kosovo und was
die Absicherung durch eine UNO-Truppe angeht. Wenn das eine pazifistische
Argumentation ist, dann heiße ich August. Das ist eine politische
Alternative zu dem "Weiter so" mit Bomben. Das bitte ich auch heute hier
so zu würdigen.
(Teilweise Beifall)
Ich füge
hinzu: Im Initiativantrag 3 geht es darum, daß wir ganz klar sagen:
Wir brauchen dringend einen humanitären Korridor für diejenigen
- das sind über 500.000 Flüchtlinge -, die innerhalb des Kosovo
immer noch gefangen sind und zwischen Scharmützeln und Bombardements
zerrieben werden. Hier wird von Humanität gesprochen. Auch diese Menschen
brauchen eine humanitäre Versorgung, und diese können wir nur
mit einem humanitären Korridor hinbekommen. Das ist Gegenstand dieses
Antrags.
(Teilweise Beifall)
Deswegen verwahre
ich mich gegen die sehr unterschwellige Unterstellung von dir, Rudolf,
der du eben gesagt hast: Es gibt nur eine Entscheidung, nämlich die,
zu sagen: Wir machen jetzt einfach die NATO-Logik mit. Wollen wir - das
ist die Alternative, über die wir hier abstimmen - diese Bundesregierung
nicht auffordern, eine politische Initiative für eine Feuerpause zu
ergreifen, um den humanitären Korridor und einen Waffenstillstand
auf den Weg zu bringen? Um nichts anderes geht es. Laßt uns das bitte
in gegenseitigem Respekt diskutieren und es nicht durch Unterstellungen,
daß die andere Seite die humanitären Aspekte nicht berücksichtigt,
kaputtmachen!
Vielen Dank.
(Beifall) |